Zwischen dem dritten und dem fünften Juli fand das Asnières-sur-Seine Open in Paris statt. Gespielt wurden fünf Runden im gängigen Schweizer System. Die erste Runde fand am Freitagabend statt, am Samstag und Sonntag gab es je zwei Runden pro Tag. Die Bedenkzeit betrug 90 Minuten für die ganze Partie bei 30 Sekunden Inkrement pro Zug. Teilnehmen konnten lediglich Spieler mit einer Elozahl unter 2300. Einige Vereinsmitglieder hatten geplant, an diesem Turnier, in dieser so besonderen Stadt, teilzunehmen. Bedauerlicherweise gab es eine kurzfristige Absage, sodass lediglich drei Neureuter die Chance auf ein unvergessliches Wochenende haben sollten.
Lars Berger, der Mannschaftsführer der ersten Mannschaft, Emely Zahn, unser Neuzugang und der Berichterstatter, waren die Reiselustigen.
Emelys Turnier begann durchaus vielversprechend. In der ersten Runde musste sie sich nur nach sehr langem Kampf einem Titelträger geschlagen geben. Sie hatte früh einen Bauern gegeben, aber verteidigte das schlechtere, aber lange Zeit nicht verlorene Endspiel, tapfer. In der zweiten Runde gelang ihr ein äußerst souveräner Start-Ziel-Sieg, in dem sie einen aufstrebenden französischen Jugendspieler völlig überspielte. In den nächsten beiden Runden erspielte sie sich beide Male gute Stellungen, die in der vierten Runde sogar zum Sieg hätten reichen sollen. Leider machte ihr die Zeitnot einen Strich durch die Rechnung. In der letzten Runde spielte sie nach einer äußerst interessanten Partie, die von Anfang bis Ende von unkonventionellen Ideen und Stellungen geprägt war, Remis.
Lars‘ erste Runde war geprägt von enormer beiderseitiger Kreativität. Im Mittelspiel ging ihm ein Turm abhanden, den er die Zuschauer mit beeindruckendem taktischen Spiel vergessen ließ. In der zweiten Runde sollte dann der spätere Turniersieger warten. Gegen den einzigen teilnehmenden internationalen Meister entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel mit Möglichkeiten für beide Seiten. Spät im Endspiel ging die Partie dann leider doch verloren. Nachmittags konnte er eine schlechte Stellung früh remisieren. Sonntags überspielte er zunächst einen talentierten Jugendspieler, nachmittags verlor er gegen den ungeschlagenen Favoriten.
Der Berichterstatter erwischte einen guten Start. Gegen einen nominell deutlich schwächeren Gegner, der aber über das ganze Turnier eine sehr gute Leistung zeigte, konnte er eine völlig fehlerfreie Partie in einem langen Endspiel gewinnen. Das Niveau seiner Partien nahm aber seiner Meinung nach von Runde zu Runde ab. Den Höhepunkt dieser Entwicklung sollte die vorletzte Runde darstellen. In einem völlig wilden Gemetzel, mit einer Großzahl an Patzern, das aus dem verzögerten Flügelgambit entstand, sollte der Berichterstatter seinen vierten Punkt erzielen. Ernüchternd war dann die letzte Runde. Der Gegner des Berichterstatters, der von der anstrengenden Morgenrunde erschöpft war, passte sich dieses Mal leider nicht an das geringe Niveau an. Ein glücklicher dritter Platz war das Resultat.
Auch die Zeit abseits des Bretts war aufgrund von Spielort und Gesellschaft hervorragend. Zwischen fehlgeschlagenen Kommunikationsversuchen mit Bedienungen und der Heiterkeit der marokkanischen Franzosen auf den Straßen am Abend des 4. Juli amüsierten wir uns sehr. Dem Berichterstatter sei an dieser Stelle geraten, sich bei seinen nächsten Turnieren etwas regelmäßiger zu ernähren.
Besonderer Dank gilt natürlich neben den Teilnehmenden, die stets für eine gute Stimmung sorgten, den Veranstaltern. Die Runden begannen pünktlich, der Schiedsrichter war professionell, das Angebot an Stärkungen reichhaltig und alle Veranstalter äußerst freundlich und zuvorkommend. Diese betonten bei der Siegerehrung, dass nur vier Ausländer am Turnier teilnahmen, und einer davon gleich dritter wurde, trotz der zahlreichen französischen Konkurrenz!
Wir fahren also zufrieden nach Hause, und sind schon voller Vorfreude auf die nächsten gemeinsamen Turniere.
Jonathan Rügert
