Am 16.05.2026 fand die erste Ausgabe der BAM und des BJPT am Ottheinrich-Gymnasium in Wiesloch statt. Im Württembergischen Schach sind Amateurmeisterschaften schon länger ein ansprechendes Konzept: Hierbei wird die Teilnehmerliste nach Wertungszahl in Vierergruppen eingeteilt, deren Mitstreiter:innen gleicher Spielstärke jeweils ein eigenes Turnier in kleinerem Rahmen durchführen. Das Jugendpokalturnier wird ergänzend als klassisches Turnier für U12-Spieler:innen gespielt, um für alle Altersklassen ein ansprechendes Angebot zu liefern.
Eine weitere Kuriosität stellte der Zeitmodus dar, denn die ausgeschriebenen 90min Bedenkzeit pro Partei und pro Partie der BAM und die 60min des BJPT wurden mit dem Bronstein-System berechnet: Hierbei erhalten die Spieler:innen zu Beginn erst einmal 30min weniger Zeit, haben aber für jeden Zug 30s Verzögerung, bevor die eigentliche Bedenkzeit läuft. Besonders weil die Verzögerung auf den Schachuhren tatsächlich als Countdown von 30 auf 0 angezeigt wird, sorgt dieser Modus für enormen psychischen Stress während der Partie, was ein entscheidender Grund sein mag, dass Turniere selten auf diese Weise ausgetragen werden.
So ließen sich auch die Spieler:innen der Neureuter Jugend nicht zweimal einladen und traten voller Ehrgeiz als 8er-Team in Begleitung von Jugendtrainer Jonathan Rügert in den Turnieren an:
Im BJPT waren Anna Schmidt, Simon Labisch, Auron Kuqi und Vahin Ashokkumar vertreten:
Anna zeigte sich in ihren ersten beiden Partien souverän und schaffte so direkt 1,5 Punkte. Auch in ihren darauffolgenden 3 Partien machte sie keine allzu groben Fehler, aber selbst solche Partien können verloren gehen, weshalb es mit einem Erfahrungsgewinn und 1,5 Punkten insgesamt nach Hause ging.
Simon spielte das Turnier wechselhaft und wild wie eh und je, seine waghalsigen Schlagabtäusche auf dem Brett bescherten ihm jedoch auch an diesem Tag spannende Partien und 3 von 5 Punkten.
Für Auron, der erst seit wenigen Wochen das Jugendtraining der SF Neureut besucht, war es die erste Erfahrung in einem offiziellen Verbandsschachturnier. Insofern war es für ihn anfangs besonders schwierig, sich mit dem Zeitmodus anzufreunden und seine Partien mitzuschreiben. So war die erste Partie dann wohl ruiniert, doch Auron war stets top motiviert und schaffte es so 3 seiner Gegner:innen zu bezwingen, weshalb er direkt mit einer soliden ersten Wertungszahl sich vom Turnier verabschieden wird.
Doch ein Spieler würde sich hier wirklich mit Topleistung zeigen und ganz oben in seiner Altersklasse U10 mitspielen: Vahin überzeugte mit seinem Spiel und schaffte es 4/5 Punkten zu erringen. Damit landete er punktgleich in der Tabelle zusammen mit 3 weiteren Kindern. Leider hätte seine erste Partie, in der unglücklich verlor, ein anderes Ende nehmen müssen, denn zu seinem unglaublichen Pech entschied die Drittwertung (Summe der Buchholzpunkte der Gegner), dass er den 4.Platz aus dieser Gruppe an Emporkömmlingen einnehmen würde.
Eine eigene BAM-Gruppe erhielten an diesem Tag jeweils Julian Ahrens, Roman Hass, Kristina Graf und Levon Ganske:
Julian errang aus seinen Spielen in der Verbandsrunde kurz vor dem Turnier eine Erst-DWZ von über 1000 DWZ, weshalb er sich aus Versehen vom BJPT disqualifiziert hatte, welches auf diese Zahl beschränkt war. Allerdings spielte Julian sehr aufgeregt, weshalb er sein volles Potential – in der Kürze von 3 Partien – gegen seine starken Gegner nicht präsentieren konnte und leer ausging.
Roman hingegen spielte in der BAM-Gruppe, die am drittstärksten besetzt war. Besonders erfreulich war auch die Begegnung mit der Lokallegende Bernd Giacomelli vom SK Durlach, der ein weiteres Mal mit einem verblüffenden Königszug Kd1!! die Initiative ergriff und folgerichtig Roman im weiteren Verlauf zur Aufgabe zwang. In den anderen beiden Partien gelang es Roman zwar überragende Vorteile aus der Eröffnung heraus zu erringen, aber durch zeittechnische Patzer reichte das überraschend nur für einen halben Punkt im Turnier.
Kristina war von ähnlichen Plagen befallen: Sie bewies auf alle Fälle, dass sie ihre Eröffnungen beherrscht und vorteilhafte Stellungen erringen kann, doch das taktische Geschick ihrer Kontrahent:innen luchste auch ihr jegliche Punkte ab.
Zuletzt noch bewies Levon, dass in der BAM nicht alle Hoffnung auf Erfolge verloren war: Aus einer Misere in der Verbandsrunde kommend, wo er ca. 70 DWZ-Punkte verlor, entschied sich Levon das Turnier mitzuspielen, um seine Verluste zu kompensieren. Mit seinen 2,5/3 Punkten schaffte er einen starken ersten Platz in der Gruppe. Doch zu seinem Pech hatte ein Gegner gar keine DWZ, weshalb Levon wohl noch weiter ackern muss, um seine Wertung wieder reinzuholen. Wir bleiben hoffnungsvoll und wünschen dabei viel Erfolg!
Eine wahrlich erfrischende Erfahrung und egal wie die Partien ausgegangen sein mögen, ist an dieser Stelle noch einmal die große Freude am Spiel zu betonen, die dieses Turnier unseren Protagonist:innen bescherte. Ebenfalls unabdingbar ist hier eine gebührende Danksagung an Jonathan Rügert, der hier mit seinen Analysen und Spielen mit den Jugendlichen wesentlich zu der guten Stimmung beigetragen hat.
In diesem Sinne freuen wir uns auch auf die kommenden Sommer-Jugendturniere in Neureut, Ettlingen und Karlsruhe, die wir sicher in ähnlich guter Gesellschaft zusammen genießen werden!